OmaLiebe begann als Pop-up-Lunch-Club – also als ein Mittagstisch an einem temporären Ort, dem Café Lorenz im Hamburger Schanzenviertel. Mit dem Konzept haben wir die Herzen unserer Gäste im
Sturm erobert. Wir waren die Antwort auf die Sehnsucht vieler Menschen, alte Familiengerichte zu bewahren und derenmGeschichte lebendig zu halten.
Hinter den Kulissen war es allerdings oft herausfordernd. Mengen mussten kalkuliert, Einsatzpläne geschrieben, Abläufe organisiert werden. Manches lief anders als geplant, vieles musste
improvisiert werden. Aber jede Mühe lohnte sich, wenn am Ende die Gäste glücklich und satt am Tisch saßen. Schon bald wuchs OmaLiebe. Neben dem ersten Pop-up im Café Lorenz startete ein zweites
im CUCI CLUB in der Cucinaria.
Beide Pop-ups liefen eine Zeit lang parallel, nach demselben Prinzip und mit derselben Begeisterung. Spätestens da wurde klar: OmaLiebe ist mehr als ein Mittagstisch. Nach einigen Monaten beendeten wir die beiden Pop-ups, um einmal zur Ruhe zu kommen und zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Doch von allen Seiten hörten wir: „Ihr müsst weitermachen!“ Da wussten wir: OmaLiebe darf kein einmaliges Projekt bleiben.

Vor einigen Jahren spielte ich mit der Idee, quer durch Deutschland zu reisen, traditionelle Rezepte zu sammeln und die Menschen dahinter kennenzulernen. Doch bald wurde mir klar: Dafür würde ich Monate, vielleicht Jahre brauchen. Dann las ich über die „Enoteca Maria“ in New Jersey, einem Restaurant, in dem ältere Damen aus aller Welt ihre Gerichte kochten.
Warum nicht in Hamburg etwas Ähnliches ausprobieren? Auf diese Weise könnte ich meinen Wunsch in die Tat umsetzen, althergebrachten Gerichten wunderbarer Frauen, die so viel Erfahrung, Liebe und einen großen Fundus an Rezepten in sich tragen, eine Bühne zu bieten. Bei der dann folgenden Ideensammlung und Umsetzung standen mir zwei enge Freundinnen zur Seite: Simone Lücking, die das Café Lorenz betreibt, und Monika Fuchs, Deutschlands älteste YouTube-Köchin und Social-Dinner-Ikone. Anfangs waren die beiden alles andere als begeistert – zu groß schien die Herausforderung, regelmäßig für viele Gäste zu kochen, Abläufe zu organisieren, täglich etwas Neues auf den Tisch zu bringen. Doch nach einigen Gesprächen und Überlegungen schwappte meine Euphorie auch auf sie über. Am Ende sagten beide ja – und der OmaLiebe Lunch Club konnte starten. Das Konzept hielten wir von Anfang an bewusst einfach: ein wechselndes Gericht pro Tag, Salat und Nachtisch. Serviert in großen Terrinen, die direkt auf den Tisch kamen. Alle aßen dasselbe, Fremde saßen nebeneinander, füllten sich gegenseitig die Teller, kamen ins Gespräch und Nachschlag gab es selbstverständlich auch – fast wie in einer großen Familie. Das Café Lorenz mit seinem Ambiente im Stil der 1950er- und 60er-Jahre, dem Geschirr wie bei Oma und vielen liebevollen Details war dafür der perfekte Ort.
Die ersten Köchinnen kamen aus dem nahen Umfeld: Mütter, Verwandte, Bekannte, Freundinnen von Freundinnen. Schon bald standen etliche Omas am Herd, die ihre Familienrezepte wieder zum Leben erweckten. Serviert wurden die vertrauten Klassiker:Königsberger Klopse, Senfeier, Rinderrouladen, Steckrübeneintopf. Später ergänzten Omas aus anderen Teilen der Welt die Runde und brachten ebenfalls ihre Spezialitäten mit – Borschtsch, venezolanische Hühnersuppe oder koreanisches Hähnchen mit Kimchi. So blieb OmaLiebe zwar tief in der deutschen Alltagsküche verwurzelt, bekam aber zugleich eine bunte, weltoffene Note. Die Resonanz war überwältigend. Zeitungen, Radiosender, Fernsehteams und Magazine berichteten. Anfangs waren die meisten Omas noch zurückhaltend, abe schon bald traten sie selbstbewusst vor die Kameras, gaben Interviews und ließen sich feiern. Die Gäste kamen teilweise von weit her, es bildeten sich Warteschlangen vor der Tür – alle wollten einen Platz ergattern, das Essen genießen, in Erinnerungen schwelgen und die Omas erleben. Auf diese Weise erfuhren die Omas eine ganz neue Art der Wertschätzung: Sie bekamen das Gefühl, gebraucht zu werden, wieder mitten im Leben zu stehen und Anerkennung für ihr Können zu erhalten. Manche hatten lange nicht mehr für andere gekocht, trauten sich nach ein paar Anläufen aber wieder an den Herd.
Andere schnippelten lieber Gemüse, halfen zusammen mit den Studierenden im Service des Café Lorenz oder übernahmen das Aufräumen. Es war echte Teamarbeit.
Nach kurzem Durchatmen stand fest: Das Projekt OmaLiebe setzen wir fort und neben dem Lunch Club etablieren wir weitere Veranstaltungen, stellen unsere Aktivitäten
breiter auf und gründen einen gemeinnützigen Verein - den OmaLiebe e.V.
Im Kochclub treffen sich regelmäßig Seniorinnen und Senioren, um gemeinsam zu kochen und zu essen. Hier wird Neues ausprobiert und Bewährtes gepflegt – vom einfachen Eintopf bis zum Sonntagsgericht. Das Wichtigste dabei ist die Gemeinschaft: miteinander am Herd stehen, reden, lachen, abschmecken und am Ende das Ergebnis zusammen genießen.
Ein besonders wichtiger Teil unserer Aktivitäten ist das ehrenamtliche Zubereiten von Speisen für Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, sich täglich eine warme Mahlzeit zu leisten. Mit OmaLiebe e. V. wollen wir hier einen Beitrag leisten, indem wir Essen verteilen, das lecker ist, satt macht und ein Stück Würde schenkt.
Um Wissen und Tradition lebendig zu halten, veranstalten wir Kochkurse. Omas oder Opas zeigen ihre Lieblingsgerichte, die Teilnehmenden kochen mit und lernen dabei die kleinen Kniffe, die nur persönlich und nicht über ein Rezept weitergegeben werden können. So werden Erinnerungen, Erfahrungen und Handgriffe von einer Generation an
die nächste weitergegeben.
OmaLiebe ist dort, wo man uns haben möchte – ob in einem kleinen Ausflugslokal am Wasser mit einem Klassiker wie Fischfrikadellen oder auf einem Landgut, wo ein festliches „Farm-to-table“-Menü aus frisch geerntetem Gemüse gezaubert wird. Im Seniorenheim, bei Tanzveranstaltungen für Oldies, auf dem Weihnachtsmarkt oder in einem Foodtruck bei einem Musikfestival – wir sind dabei. Mal bodenständig, mal festlich, aber immer mit Herz und dem Anspruch, ehrliche Speisen auf den Tisch zu
bringen.
Wir freuen uns, wenn in den Haushalten wieder mehr selbst gekocht wird, wenn traditionelle Gerichte – vielleicht auch modernisiert – nicht in Vergessenheit geraten.
Vor allem aber möchten wir, dass die ältere Generation die Wertschätzung erfährt, die sie verdient, und das gute Gefühl hat, gebraucht zu werden.
Besonders wichtig ist es uns, mit unserem Engagement Menschen zu unterstützen, denen eine regelmäßige warme Mahlzeit nicht selbstverständlich möglich ist.
Bei OmaLiebe kann jeder mitmachen – man muss keine leibliche Oma oder Opa sein. Wichtig ist vor allem die Freude daran, gemeinsam etwas Gutes zu tun. Ob beim Kochen, Organisieren oder im Service – jede helfende Hand ist willkommen. Aktuell sind unsere Mitglieder zwischen 62 und 88 Jahre alt und bringen viel Erfahrung, Herz und Engagement mit.
Wer aus dem Großraum Hamburg kommt und Teil unserer Gemeinschaft werden möchte, kann sich sehr gerne melden oder uns bei einer der nächsten Veranstaltungen kennenlernen. Gemeinsam schaffen wir Wärme – auf dem Teller und im Herzen.
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